Waldviertler Mohnzelten, graues Gold trifft die freundliche Knolle

Waldviertler Mohnzelten, graues Gold trifft die freundliche Knolle

An unserem dritten und leider letzten Tag in Niederösterreich, gibt es noch einen süssen Gruss aus dem Waldviertel, …

Als Teil der habsburgischen Erblande war „Österreich unter der Enns“ übrigens Erzherzogtum und gehörte gemeinsam mit Oberösterreich zu den Kernländern Österreichs.
Auf einer Fläche von knapp 20.000 km² erstrecken sich die 4 Viertel von Niederösterreich. Nördlich der Donau findet man das Wald- und Weinviertel, südlich der Donau das Most und Industrieviertel.

Ich, stolze Besitzerin eines uralten (das heisst bei mir über 100 Jahre) Bauernhofs im Waldviertel, liebe besonders dessen nordische Landschaft mit all ihren Seen, Wäldern, Burgen und Schlössern. Es gibt herrliche Kraftplätze mit mystischen Geschichten, tolle Wasserfälle und Stauseen die zum Sommerurlaub einladen.
Kulinarisch überzeugt mich das Waldviertel durch sein Markenzeichen – den Mohn. Den erwähnen die Waldviertler nämlich schon ab dem 13. Jahrhundert und haben bis heute fantastische Köstlichkeiten daraus gezaubert – wie eben die aus Graumohn & Erdäpfelteig hergestellten Waldviertler Mohnzelten.

„Zelten“ kommt übrigens aus dem Germanischen und heisst eigentlich „flacher Kuchen“. Grob erklärt sind es Früchte oder Samen die mit einem Teig ummantelt werden.

Bevor wir mit dem Backen beginnen, möchte ich noch erwähnen wie streng gehütet das Rezept der originalen Mohnzelten sind. Die meisten Varianten die man findet sind einfach mit einem Packerl Backpulver und werden leider nie so wie man sie in einer örtlichen Bäckerei bekommt.
Ich habe deshalb einen Versuch gewagt und eine neue Variante ausprobiert die meiner Meinung nach wesentlich besser schmeckt – dazu benötigt es aber eine ganz spezielle Herstellung mit einem Dampfl. Schreckt euch nicht, für mich war es auch das erste Mal und es ist einfacher als es im ersten Augenblick vielleicht klingen mag.

Es freut mich umso mehr das Rezept nun an Euch weiter zu geben zu können:

Für den Teig:

    21 Gramm Germ (1/2 Würfel)
    1/2 TL Zucker
    etwas warme Milch
    500 Gramm glattes Mehl
    300 Gramm gekochte Erdäpfel
    200 ml Milch
    250 Gramm Butter
    2 Dotter
    2 EL Sauerrahm
    etwas Salz
    1/2 TL Backpulver
    1 Ei

Für die Mohnfülle:

    200 Gramm geriebener Waldviertler Graumohn
    200 Gramm Zucker
    100 Gramm Butter
    etwas Milch
    1-2 EL Powidl
    einen Schuss Rum
    Zimt

Möchte man das Original-Rezept erfahren, müsste man einem Waldviertler wohl schlimmes androhen, was wir natürlich nicht gemacht haben, aber ich habe nicht aufgegeben und meine eigene sehr feine Variante kreiert für Euch kreiert.

Um einen richtig feinen Teig zu bekommen, habe ich vorab ein Dampfl gemacht. Diesen Vorteig kann man ganz einfach herstellen indem man den Germ mit dem 1/2 TL Zucker vermengt, dazu giesst man zimmerwarme Milch und gibt 2 EL Mehl hinzu. Das ganze darf nun bei angenehmer Temperatur (etwa 25 – 35 Grad), zugedeckt für etwa 30 Minuten gehen. Im Winter oder bei Zugluft, kann man die Schüssel auch in ein warmes Wasserbad stellen.

In dieser Ruhezeit kann man die Fülle zubereiten. Dazu wird die Butter in einer Pfanne erhitzt und sämtliche Zutaten eingerührt. Hier ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. Mögt ihr mehr Rum, dann bitte weniger Milch einrühren bzw. umgekehrt. Am Ende soll eine cremige aber nicht zu flüssige Masse entstehen die man gut mit dem Löffel verteilen kann.

Während die Pfanne am Rand abkühlt wird es Zeit sich wieder unserem Teig zu widmen:

Die Erdäpfel schälen und durch eine Presse drücken. Diese anschliessend mit dem Mehl, der Milch, der Butter, den Dottern, dem Sauerrahm, einer Prise Salz und dem Backpulver zu einem Teig kneten, das Dampfl hinzukneten und eine Rolle formen. Aus der Rolle 15 gleichmässige Stücke schneiden.

Die Teigbällchen auf der Hand flach drücken und mit jeweils einem Löffel Mohn füllen. Die Ränder zur Mitte nach oben führen und „den Körper“ fast hängen lassen. Der Teig ist sehr geschmeidig und lässt sich wunderbar verschliessen. Nun das Knöderl einfach umdrehen damit die schöne Seite nach oben kommt und flach drücken. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen und anschliessend mit einer Gabel einstechen damit der Dampf entweichen kann.

Das Backrohr auf 200 Grad aufheizen (in dieser Zeit haben sich die Mohnzelten bei mir noch etwas ausgeruht) und anschliessend für 12 Minuten backen.

Nach dieser Zeit alle Teige mit Ei bestreichen, erneut mit der Gabel einstechen und nochmals für 4 Minuten ins Backrohr schieben (erst jetzt erhalten sie eine wunderbare Farbe).
Bitte behaltet sie in den letzten Minuten im Auge, es wäre sehr schade wenn sie zu dunkel und somit trocken werden.

Lasst es Euch gut schmecken und
habt noch einen feinen Tag,

Eure Sophie

P.S.: Besucht das Waldviertel doch mal wenn der Mohn blüht – ein herrliches Bild durch die roten Felder zu fahren. Der Mohn ist mittlerweile zu einer richtigen Attraktion geworden und wer vom Anblick noch nicht genug hat, wird bestimmt das eine oder andere Mohnmuseum finden.

Noch nicht genug vom Mohn? Besucht doch mal meine liebe Julie, da gibt es heute Nachmittag herrliche Mohnknödel mit Vanillesauce von Eva und Julies Papa!

3 Comments

  1. Ich mag zwar nicht so gerne Mohn, aber die sehen wirklich köstlich aus. Und ich mag eure Wörter so :D Die klingen so süß

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